Gratis bloggen bei
myblog.de

 Der Geruch von Feuerwerkskörper hing mir immer noch in der Nase.

Es ist mir eigentlich peinlich über diese Nacht zu reden, die sich voller Rauch, mit grellen Lichtern, lauter Musik, und seltsamen Geschehnissen  in mein Gedächtnis eingeprägt hat.    
Es war eine dieser Stufen Partys im Sommer. Ich wollte eigentlich nicht hin, aber irgendwie hatte meine beste Freundin Clara mich dazu überredet, und ich wusste damals nicht ob ich es bereuen sollte oder nicht, mitgegangen zu sein.     
Auf jeden Fall saß ich damals im Bus der uns zur Disco fuhr, welche im Nachbar Dörfchen war. Wir wohnten und lebten in einem kleinen Kuhkaff,  das 20 km von der nächsten großen Stadt entfernt war.  Meine Tage prägten sich durch Schule, Zuhause sein und  meinem Teilzeit Job im Getränke Markt. Ich hatte einen ruhigen Alltag, und vermied dies, irgendwie auch durch Besäufnisse oder Partys, zu ändern. Clara war  hingegen auf Hochtouren, wie immer. "That don't make me loose my mind! Up in here! Up in here!" grölte sie durch den Bus und bekam Unterstützung von irgendwelchen Jungs die wir nicht kannten aber die das gleiche Ziel wie Clara und ich hatten. Ich hatte jetzt schon genug, ich wollte wieder nachhause und stellte mir einen ruhigen Abend angenehmer vor als in einem lauten Bus zu sitzen in dem es nach Alkohol, und Schweiß roch.
"Boah Emmi, jetzt tau doch mal auf!" ermunterte Clara mich mit einem tätscheln auf meine Wange, zwischen zwei "Jippie Jippie yeah, krawall und remidemi!" Ausrufen. Ich heiße eigentlich Emma, aber irgendwie verniedlicht Clara alle Namen ihrer Freunde. Sie war eine lebensfrohe und herzensgute Person die nach dem Motto „ich bin nur einmal jung“ lebte. Wir waren sehr verschieden, und keiner verstand warum wir überhaupt befreundet waren. Ich seufzte. Sie gab auf mich zu motivieren zu wollen und widmete sich wieder dem fröhlichen gemeinschaftlichen herum grölen. Mir blieb nichts anderes übrig als die Minuten zu überleben und ich war fast erleichtert als die mechanische Stimme den Bushaltestellen Namen ansagte an dem wir aussteigen mussten. Aus dem Bus kam ich vom nach Alkohol riechenden Bus in die kühle Nacht. Es roch nach Sommer, und in der Umgebung konnte man gedämpfte Musik hören.
Clara lief mit den Jungs hinter mir, während wie ausgelassen lachten, redeten, und ich und anführend voran ging. Wir liefen die orange  beleuchteten  Straßen endlang, vorbei an Häusern hinter deren Fenster  das bläuliche Licht von Fernsehern zu sehen war, vorbei an Katzen die stumm auf Fensterbänken saßen. Das Dörfchen wirkte still und schlafend, die Ampeln zeigten nur noch gelb blinkendes Licht an  und ich genoss die Ruhe einwenig  bis wir  der gedämpften Musik merklich näherkamen, bis wir abbogen um über einen Vor-Hof auf eine stillgelegte Lagerhalle zugingen. Von drinnen hörte man schon dumpfe Bässe, und draußen waren zahlreiche bunte Lichterketten an den Fenstern angebracht worden.
Es war 23 Uhr und draußen vor dem Eingang standen einige Leute.  Wir gingen auf sie zu, und der Kies knirschte unter meinen Füßen,  so dass die Leute die draußen standen, sich kurz zu uns umsahen, sich dann aber wieder ihren Gesprächen zuwendeten. Ich stellte mich an den Eingang , Clara war direkt hinter mir und hatte offensichtlich mit den Jungs aus dem Bus angebändelt, und lachte bei einem  dummen Witz den die Typen machten. Dass habe ich schon immer an Clara ein wenig beneidet. Sie lernt sehr schnell neue Leute kennen, und bei den Jungs ist sie auch recht beliebt, dennoch hat sie keinen Freund. Ich war in Sachen Sozial Kompetenz echt schlecht  ganz zu schweigen von den Jungs. Während ich mich von dem Anblick abwandte hatte ich zog Geld für den Eintritt und meinen Personalausweis heraus. Ich ging hinein und schon empfing mich die Halle, die nach Zigaretten, Schweiß und Alkohol roch, und fand mich in einem Wald aus Körpern wieder. Es war verdammt voll. Dass sollte also meine persönliche Hölle für heute Abend sein. Ich drängte mich also zwischen den Menschen hindurch, die Blicke ignorierend von einigen Jungs die es wohl cool fanden wenn sich ein weibliches Wesen eng an ihnen vorbei quetschen musste,  gefolgt von Clara die wieder alleine war, bis wir zwei glücklicherweise leere Barhocker im hinteren Teil des Raumes fanden und uns niederließen."--as---ills--u---inken??" vernahm ich von Clara die mich förmlich anschrie. Ich gab ihr irgendwie "Vodka Redbull" zu verstehen, sie grinste und verschwand wieder in der Menge. Na wenigstens würde ich den Abend hoffentlich mit Alkohol ertragen. Man sollte mich nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen „feiern gehen“, auch nicht gegen Leute die es tun, nur diese Party war wirklich grauenhaft. Ich sah, mit von der Hitze geröteten Wangen herum. Ich sah Jungs die mit Bierflaschen in der Hand, Mädchen die sich an den Händen hielten, und "Pärchen" aneinander klebend, und alle tanzten zu  schlechtern dumpfen Schlager Beats, und zu Elektronik Musik. Alles verschwamm  nach einiger Zeit in dem gedämmten bunten Lichtern. Ich wollte mir vorstellen wie es wäre genauso wie sie die Kontrolle abzugeben und zu tanzen als ob keiner zusieht.
 In dem Moment tauchte Clara mit zwei Gläsern in den Händen auf, setzte sich wieder zu mir, reichte mir mein Glas und hob ihres hoch. Ich verstand nicht was sie sagte aber es war wohl etwas wie "Chers!". Wir stießen an.  Ich trank einen Schluck, spürte wie das Gemisch warm in meinem Magen wurde und  sah kurz umher. Clara nahm plötzlich meine Hand, stand auf und wollte mich in Richtung Tanzfläche ziehen. Ich nahm meine Hände abwehrend hoch und gab ihr zu verstehen dass das keine Gute Idee sei. Nach wiederholten leichten ziehen an meiner Hand und einem stummen "och komm!" gab sie auf, lächelte mich erneut an, blieb in meiner Sicht weite und tanze drauf los. Sie konnte wirklich gut tanzen und es dauerte nicht lange bis ein Junge mit hoch gegellten ankam und sie miteinander tanzten.
Ich sah mir das ganze kurz an und konzentrierte mich wieder auf mein Glas  bis plötzlich fast vom Barhocker gerissen wurde, als mich jemand anrempelte. Ich war angenervt und drehte mich zu der Person, und sah ihm direkt ins Gesicht. Mir begegneten leicht geschwungenen Augen, die erschrocken drein blickten. Der Junge hatte sich halb zu mir umgedreht im gehen. "sorry...!" brachte er hervor und verschwand wieder. Ich starrte verwirrt hinterher, bis ich mich wieder Clara zuwandte, die natürlich nichts verpasst hatte, die mir zuzwinkerte, dabei grinste und ihre Hand anwinkelte und diese wie ein Fächer schüttelte. Ihre Lippen formten das Wort "Heiß!" und sie lachte, ganz unirritiert von dem Typen mit dem sie tanzte, der seine Hände schon auf ihre Hüfte gelegt hatte. Ich schüttelte beschämt den Kopf und trank recht zügig mein Glas aus. Der Abend verlief  recht unspektakulär. Clara tanzte mit insgesamt 4 verschiedenen Jungs, ich saß da und trank. Ich war dann wohl irgendwann ziemlich betrunken. Und ich bemerkte wohl zu spät dass Clara plötzlich weg war. Ein Blick auf die Uhr sagte mit dass es inzwischen schon 3 Uhr morgens war. Ich konnte grade noch ausrechnen dass ich  also die letzten 2 ½ Stunden da gesessen hatte und mich besoffen hatte. „super!“ dachte ich und hopste   vom Hocker, schwankte mehr als gehend durch die Menschen Menge, schob mich erneut durch sich bewegende, leicht feuchte Körper und hielt Ausschau, bis ich irgendwann bei den Toiletten ankam. Ich machte die Türe zum Vorraum auf, drehte mich zur Seite und fand Clara auch direkt . Sie war nicht alleine. Sie knutschte grade mit irgendeinem blonden Typen den ich nicht kannte, sie wohl auch nicht. Ich ging auf sie, zu aber sie bemerkte mich schon und löste sich kurz von dem Jungen. "Darling!" rief sie aus, und klang sehr heiter. "Ich...hab dich gesucht!" stieß ich einwenig stammelnd hervor. "Och Süße! ich hab dir doch bescheid gesagt!" entgegnete sie während sie damit beschäftigt war den Typen davon abzuhalten sie weiter anzuschlabbern. "a...ach so..scheiße...ich muss mal an die frische Luft" sagte ich.“ Da hat wohl jemand zufiel getrunken...ich bin gleich wieder an unseem Tisch wenn du mich suchst, OK?“ sagte Clara besorgt. Ich nickte und ließ die beiden zurück  und schlängelte mich nach draußen. An der frischen Luft angekommen war es doch recht kühl. Ich atmete einwenig schwer, da ich das Gefühl hatte das die verrauchte Luft drinnen mir die Lunge vernebelt hatte.  Ich strich mir übers Gesicht und öffnete meine Augen . Mein Blick wanderte über den Hof, auf dem man in den dunklen Ecken nur die orangen Gluten der Zigaretten, oder was auch immer sah, die sich dort hingehockt hatten. Ich ging einwenig vom Eingang weg, während ich hinter mir Gelächter von Menschen erklang die auch aus der Disco kamen. Ich hörte den Kies unter ihren Füßen, als ich mich auf eine Bank in einer  Ecke setzte und meinen Kopf auf die knie legte, und tief ein und aus atmete, in der Hoffnung ein wenig nüchterner zu werden. Ich hörte wie Schritte näher kamen und plötzlich ließ sich jemand neben mir auf der Bank nieder, legte einen  Arm um meine Schultern, und stütze sich auf diesen ab. Erschrocken sah ich blinzelnd auf und erkannte dunkle Haare  eines Jungen. Es war der gleiche Typ der mich eben fast vom Hocker gerissen hätte. Er war ziemlich betrunken, und hatte die Augen zu. Ich war ziemlich perplex, und er faselte nur einwenig vor sich hin. Da ich selbst nicht nüchtern war versuchte ich ihn ein bisschen wegzuschieben um von ihm frei zukommen. Was auch ganz gut klappte. Nun lehnte er sich mit dem Kopf nach hinten über die Bank lehne um diesen ab zustützen. Ich erkannte nun die leicht geschwungenen Augen wieder, die geschlossen waren. Ich war ein wenig verwirrt, und starrte sein Profil an. Dann sah mich um, um zu sehen ob bekannte von ihm in vielleicht suchten, as nicht der Fall war. Nach kurzem zögern und keinem Lebenszeichen des anderen wollte ich wieder reingehen, weil mir dass irgendwie peinlich war, als ich ein grummeln neben mir von ihm hörte. Sein Mund öffnete sich  leicht. "bleib ma’ hier....!" murmelte er. Ich weiß nicht genau warum, vielleicht der Alkohol in meinem Blut, aber ich blieb.  Ich sah ihn wieder an, in der Erwartung er würde noch etwas sagen. Da fiel mir auf dass von ihm  der Geruch von Kaltem Rauch ausging. Ich war wirklich betrunken. Normalerweise wäre ich schon längst weggegangen und hätte mich geschämt dass ich von einem betrunkenen angelabert wurde. Nach einiger Zeit der Stille seinerseits  lehnte ich mich ebenfalls an die Banklehne hinter mir und sah hoch. Dann hörte ich ihn neben mir leise kichern, und schaute hinüber. Ich musterte ihn erneut, da ich mich fühlte als ob mein Gehirn länger brauchte um Dinge wahrzunehmen. Er sah ganz weiß im Mondlicht aus. Er hatte längere Mittelbraune Haare, war groß und recht schlank. Er hatte  die Augen immer noch geschlossen, und seine Lippen bebten ein wenig. Ein grinsen machte sich in seinem Gesicht breit. " scheiße Mann..." sagte er irgendwann ruhig, und dann verzog sich seine Mimik etwas schmerzlich und er sah gekränkt aus. Er sprach leise weiter, atmete dabei so als ob er schlafen würde." ich bin so fertig...ey...sag mir ma’ was hier abgeht!? die kranke Tussi..." er atmete noch mal langsam aus, taste seine Taschen ab, bis er seine Zigaretten fand, blindlings  sich eine anzündete, daran zog, Rauch ausblies, sich kurz mit der Zunge über die Lippen fuhr und dann weiter redete. "warum den? ey...mich fuckt das so ab. nur weil ich nicht ihr Traumtyp bin oder was...Weiber echt...abfuck!!" ich saß stumm da  beobachtete sein Mienenspiel und sagte nichts weil ich auch betrunken nicht wusste was ich darauf antworten sollte. Ich unterbrach ihn also nicht bei seinem Monolog, welcher für mich keinen Sinn ergab, er fluchte und laberte weiter. Während er redete drehte er sich auf einmal zu mir um öffnete die Augen angestrengt, blinzelte und hielt Inne. "Oh...du bist gar nicht  Olli...Noch ne Tussi..." sagte er leicht heiser. Deutlich entrüstet fuchtelte ich mit dem Armen herum während ich meckerte "ey was geht’n bei dir? Erst rempelst du mich an, dann klettest du mich total hacke an, laberst mich zu und jetzt beleidigst du mich noch! ". Er war etwas überrumpelt, und blinzelte irritiert. Ich stierte beleidigt weg, versuchte aufzustehen und es gelang mir nicht. "du bist voll hacke..." kam es resigniert von der Seite, worauf er wieder an der Zigarette zog und dann vor sich hin nach oben starrte. "ja...neee!" stammelte ich raffte mich hoch und wollte in Richtung Eingang zurück schwanken. "Schade jetzt gehtse’...eigentlich bist du ganz hübsch..." hörte ich seine Stimme. Ich drehte mich um, sah ihn ungläubig an und wurde trotzdem rot. Dass kann ich immer, selbst im betrunkenen Zustand und ich hasse es.“ha..hahaha..sehr lus...stig!“ brachte ich mir Mühe hervor. Dann fiel mir auf dass ich diesen Spruch schon von jemand anderen gehört hatte. Ich sah den Typen an als ob auf seiner Stirn stand wer dies schon mal gesagt hatte.  Und wie der da saß, erinnerte ich mich plötzlich, und es kamen Erinnerungen an "Ihn" hoch. Ich erinnerte mich an jedes Detail dieses damaligen verfluchten Tages. Er hatte auch so da gesessen, mit einem verschmitzten angedeuteten lächeln und stumm. Ich blieb stehen, ohne Regung und versuchte die alten hoch kommenden Emotionen ein wenig wegzuschieben. Ich merkte dass mir schlecht wurde. Ich spürte wie mein Magen sich ein wenig umdrehte und mir kalt im Gesicht wurde. Er sah mich immer noch wie versteinert da stehe, und zog eine Augenbraue hoch. "ey...was is’ !?" sagte er verwirrt, während ich zurück neben ihn sank und meinem Kopf auf die Banklehne stütze und wieder hochsah. “geht’s dir gut? Ist die etwa schlecht!?“ fragte er neugierig neben mir, während er sich auf setzte und mich ansah. Es fühlte sich schlecht an. Bilder drängten sich in meinen Kopf, und die Übelkeit wurde schlimmer. Ich schloss die Augen. Ich hätte nicht gedacht dass sich diese Dinge von damals im betrunkenen Zustand noch mal so nah anfühlen würden. Ich merkte dass er sich nicht neben mir nicht regte. Nach einer Pause und einigen Zigarettenzügen fing er erneut an zu reden " hey hör ma’, wenn du kotzen musst dann tu’s, mir geht’s auch nicht besser! Ich musste grade raus finden dass meine Freundin  die ich jetzt’n halbes Jahr hatte die ganze Zeit was mit so ’nem abgeleckten blonden Spießer Typen hatte. Und dass geilste is’ das sie nur meinte "ey sorry bist doch nich’ so mein Typ"...Shit! lallte er langsam vor sich hin. "...ach und sowie so ist doch alles scheiße..."er schnipste dabei seine Kippe energisch weg. Ich musste mich plötzlich nach vorne lehnen und mich übergeben, wobei ich seinen Redefluss unterbrach. Ich schämte mich und hoffte dass die Übelkeit aufhörte. Kommentarlos rückte er näher und hielt mir die Haare aus dem Gesicht, und strich mir dabei über den Rücken.“ Ist schon gut...“ sagte er leise. Mein Magen verkrampfte sich und ich spürte dass nichts mehr kam. Ich schämte mich so, dafür dass ich immer noch wegen alter Dinge traurig wurde, dass ich wegen Alkohol kotze und dass dieser Fremde mir dabei half. Mir wurde schwarz vor den Augen .Ich erinnere mich danach an nichts mehr, ich bin wohl eingeschlafen.
Ich weiß nur dass ich den Geruch von kaltem Rauch danach intensiv roch.

18.11.09 21:11
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Startseite Gästebuch Kontakt Pageseite Pageseite Pageseite Pageseite

Designer